Zwilling von Ayers Rock entdeckt



Kürzlich geisterte die Meldung durch die Presse, Ozeanographen hätten vor der Südwestküste von Australien einen Zwillingsfelsen von Ayers Rock gefunden - Mount Gabi. Leider gab es so gut wie keine Fotos zu sehen und so habe ich den Entdecker angeschrieben und einfach mal angefragt. Tatsächlich hat Professor Pattiaratchi sich gemeldet und mir ein paar Bilder zur Verfügung gestellt.


What's the story?

Bei Untersuchungen von Meeresströmungen vor der Südwestspitze Australiens hat das Team um besagten Chari Pattiaratchi einen Unterwasserberg entdeckt, der dem berühmten Ayers Rock im Herzen des fünften Kontinents frappierend ähnelt. Der gilt eigentlich als weltweit einmaliges Naturschauspiel, es ist der zweitgrößte Monolith der Erde.

Ulur - Ayers Rock (Wikipedia)Bei der Entdeckung handelt es sich um einen klassischen Zufallsfund. Eigentlich suchte man nach etwas ganz Anderem. Dementsprechend hält Professor Pattiaratchi die Entdeckung für eher nebensächlich und er ist auch nicht besonders überrascht, dass man den Brocken bisher übersehen hat. Der größte Teil des Meeresbodens vor Westaustralien ist seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr vermessen worden und so ist die Erforschung des Meeresbodens dort per se eine Reise ins Unbekannte.

Chari Pattiaratchi ist Professor für Küstenozeanografie an der Universität von Westaustralien. Ihn selbst interessiert ein anderes Ergebnis dieser Reise viel mehr. So stellte man fest, dass die sogenannte Leeuwin-Strömung nicht nur erheblich stärker ist als angenommen, sondern dass sie zudem auch mit der Flinders-Strömung zusammenhängt, was sie zu einer der längsten Unterwasserströmung der Welt macht - stolze 5500 km.


Der Unterwasserberg gleicht dem berühmten Ayers Rock tatsächlich wie ein Ei dem anderen. Er hat dieselbe Länge und Höhe, auch die Form ist so gut wie identisch.


Zwilling von Ayers Rock
Mount Gabi




Ayers Rock

... galt hinter dem Mount Augustus als der zweitgrößte Monolith der Erde (mittlerweile gilt er nicht mehr als Monolith. Warum das so ist, müsst ihr einen Geologen fragen). Er ist rund 300 Meter hoch und fünf Kilometer lang. Seit 1995 heißt er auch ganz offiziell wieder Uluru. Im Jahre 1873 hatte der europäische Entdecker William Gosse ihn nach dem damaligen Premierminister Südaustraliens, Sir Henry Ayers benannt.

In der Sprache der Aborigines bedeutet der Name soviel wie "Sitz des Ahnen". Uluru ist den Ureinwohnern heilig und wenn man davor steht, kann man verstehen warum. Der Felsen liegt inmitten in einer völlig flachen Landschaft. Er ragt heraus, als sei der gewaltige Brocken einst vom Himmel gefallen. Wohl vor allem wegen dieser exponierten Lage wirkt er so imposant. Die Unesco erklärte in mittlerweile sogar zum Weltkulturerbe.

Geräubert von John HenshallDer Uluru liegt im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark nahe dem Ort Yulara, südwestlich von Alice Springs im Northern Territory von Australien.
Der Monolith entstand vor ca. 600 Mio. Jahren, Geröll und Schlamm sammelten sich in einer Senke und verklumpten sich unter hohem Druck. Ein Teil dieses hoch verdichteten Brockens wurde im Zuge von tektonischen Bewegungen an die Oberfläche gedrückt. Dort können wir ihn heute bewundern.

Auf der Rückseite des Uluru befinden sich mehrer Becken mit Wasser. Die Aborigines betrachten diese als besonders heilig.

Uluru hat auf Bildern eine rötliche Farbe. Die Farbe ist einer der verbreitetsten Irrtümer über den Berg. Er besteht eigentlich aus Sandstein, ist also grau-weiß. Lediglich eine dünne Schicht an der Oberfläche verleiht ihm die so typisch rote Farbe. Sie rührt vom hohen Eisengehalt her. Als das Material an der Oberfläche verwitterte, "rostete" der Berg regelrecht. Oxydiertes Eisen hat einen rötlichen Ton. Während der an Autos eher uncool wirkt, ist das bei einem Monolithen mitten in der australischen Wüste etwas anders. Da wirkt die Farbe sexy.



Ayers Rock/Uluru ist den Aborigines wie gesagt heilig. Eigentlich sollte er nach ihrer Auffassung deswegen auch gar nicht bestiegen werden. es wird trotzdem toleriert.
Der Aufstieg gilt allerdings als sehr anstrengend. Einen wichtigen Beitrag dazu bildet sicher das Wetter. Der Brocken liegt nun einmal im australischen Outback und diese Temperaturen sind wir nicht gewöhnt. Zudem kann das Wetter unerwartet schnell umschlagen und der Auf- und Abstieg bei Nässe ist nicht ganz ohne. Schön aufpassen also.


Geräubert von: Photoexpo.netBestimmte Stellen auf dem Berg sind den Einheimischen vorbehalten. Sie sind extra gekennzeichnet und es ist verboten, Fotos zu machen. Zuwiderhandlungen werden mit 30 Peitschenhieben, zumindest aber hohen Geldstrafen geahndet. Die Gegend ist ebenfalls bekannt für Felszeichnungen.

Im Aboriginals Land Right Act von 1976 und zähen Verhandlungen 1985 wurde das gesamte Gebiet an die Aborigines - sie selbst nennen sich übrigens Anangu - zurück gegeben. Sie mussten allerdings einem Pachtvertrag mit der australischen Nationalparkverwaltung zustimmen.


Je nach Wetter und Tageszeit kann es passieren, dass der Aufstieg geschlossen wird. An heißen Tagen muss man vor 8 Uhr antreten, will man den Berg besteigen. Wenn es zu heiß ist oder sich Regen ankündigt wird der Aufstieg ebenfalls geschlossen. Wenn die Aborigines ein religiöses Fest feiern, kann es sein, dass der gesamte Zugang zum Berg für Besucher geschlossen wird. Nicht meckern also.



Mount Gabi

Zurück zum eigentlichen Thema: Auf den Bildern gleicht Uluru II - so nennen die australischen Medien den Unterwasserberg - seinem Namensvettern tatsächlich auffallend. Eine Rolle spielen mag dabei, dass er auf den Computerbildern rot eingefärbt wurde. Das ist ja eines der besonders bestechenden Merkmale von Ayers Rock.

Mount Gabi


Die Form des Zwillingsfelsens ist insgesamt etwas gestreckter als beim Original, ansonsten aber stimmen die Proportionen. Der Unterwasser-Uluru ist ebenfalls etwa fünf Kilometer lang und 300 Meter hoch. Zur Touristenattraktion wird er es wohl aber nicht bringen. Immerhin liegt er 1000 Metern Tiefe.

Den Berg benannte Pattiaratchi übrigens nach seiner Frau Gabi. Sie stammt aus Jülich in Nordrhein-Westfalen und ist dem Vernehmen nach sehr angetan von dieser Namenspatenschaft. Wer will es ihr verdenken?

Mount Gabi



(c) K. Büsch - 05/2006, Bilder mit freundlicher Genehmigung von Ch. Pattiaratchi



 

 


 

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